Noch so wenige Tage in China verbleiben und es sind noch so viele Themen übrig, über die ich gerne geschrieben hätte. Hier deshalb der Schnelldurchlauf im Kurzmeldungsformat.
Im Fokus:
Stell dir vor, du bist in einem Bahnhof, schaust in die Runde und egal in welches Gesicht du blickst, eben dieses schaut dich gerade an. Das ist sehr merkwürdig, aber uns genau so Anfang Oktober in Chengdu passiert. Mich hat einmal eine Chinesin gefragt, ob es mich nicht stören würde, dass man mich immer anguckt. Mich hat es nie gestört, dass mich viele Blicke treffen, weil ich weiß, dass ich in Deutschland auch einmal einen riskiere, wenn eine “exotisch” aussehende Person meinen Weg kreuzt. Ungewohnt ist es aber natürlich trotzdem.
Generell kann man sagen, dass der “Guck mal, ein Ausländer”-Faktor mit der größe der Einwohnerzahl einer Stadt sinkt. Während selbst in Nanjing noch in einem Restaurant gekichert wird, wenn Europäer etwas bestellen, so hat man in Hongkong jegliches Alleinstellungsmerkmal verloren und wird nur noch als Uhrenopfer angesehen.
Personal:
Chinas große Bevölkerung führt zu einem regelmäßigen Personalüberlauf, zum Beispiel in Restaurants oder Supermärkten. Der Begriff “Arbeitsteilung” sollte hier manchmal eher “Arbeitsteilchen” heißen, weil eine Aufgabe von ungewöhnlich vielen Angestellten jeweils in Teilbereichen übernommen wird. Einer ist für die Bestellung zuständig, der nächste bringt das Getränk, ein Weiterer das Essen, während widerum ein Anderer das Glas nachfüllt, welches – nachdem jemand Anderes kassiert hat – von Jemandem abgeräumt wird. Das bedeutet Service, großes Lob und definitiv eines der Sachen, die ich in Deutschland sehr vermissen werde! …auch wenn sich die vielen Personen dann manchmal auch ein wenig wuselig bewegen und sich gegenseitig über die Füße laufen. Sind ja schließlich aber auch keine Ameisen.
Im Supermarkt fand ich es immer sehr anstrengend, dass in jedem (!) Gang eine Mitarbeiterin wartete die besten Produkte zu empfehlen oder Hilfestellung zu geben. Grund: Nie sprachen diese hilfsbereiten Damen Englisch und so waren sie für MICH nicht sehr hilfreich, sondern eher anstrengend, weil sie mir generell immer zu dem Produkt geraten haben, welches ich nicht in der Hand hatte und zur Kasse bringen wollte. Außerdem vertraten sie prinzipiell das Motto, dass ich doch das Größere kaufen solle, egal ob ich das will oder nicht.
Aber vergleichen wir doch so ein Einkaufserlebnis mit dem uns allen bekannten Szenario in Deutschland, wenn man minutenlang um Hilfe suchend durch die leere Gänge streift. Ich glaube in einem roten Elektronikfachmarkt haben sich die Mitarbeiter einmal vor mir versteckt, kein Scherz.
Chinesisch lesen:
Es gibt da noch einen geheimen Trick von Chinesen, wie sie uns dazu bringen zu verstehen, was sie uns mitteilen wollen. “Wie, ihr versteht nicht was wir sagen? Gut, dann schreibe ich es dir eben auf!” Es ist wirklich lustig, dass uns regelmäßig in Restaurants entweder wie im Kindergarten mit Hilfe des Zeigefingers versucht wurde das Lesen beizubringen oder man uns einfach auf einen Zettel schrieb, was gemeint ist. Auf der Gegenseite erzeugte es nur verwunderte Blicke, wenn wir dann noch immer nicht wussten, was man von uns wollte. Der Trick mit dem Stift ist also noch nicht ganz ausgereift.
Sicherheit:
Ich habe mich hier immer sicher gefühlt. Das ist manchmal verwunderlich, weil wir Europäer hier “die Reichen” sind und ich mich gewundert habe, dass ich nie Neid zu spüren bekommen habe. Wir hatten zwar unsere große Eisentür im Wohnheim, die uns geschützt hat, das Gefühl diese zu brauchen, hatte ich nie. Ich war auch einmal nach 22 Uhr in Xi’an alleine auf den Straßen und fühlte mich absolut nicht unsicher.
4 Kommentare
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sylvia
generell kann man sagen, dass du uns immer an deiner reise hast teilnehmen lassen. die vielen artikel und videos waren super, um sich ein bild zu machen. vieles von dem, was du berichtest, wie es dort ist, gefällt mir ganz gut.
11.1.2010, 10:41 Uhr
Julian
Ganz viel doll herzlich willkommen zurück!!
Oder auch: Habe die Ehre!
:-)
12.1.2010, 23:48 Uhr
M.
ich hab bei dir n Fehler gefunden: du hast beim Personal im 2. absatz geraten mit D geschrieben :)
Danke für die Postkarte
12.1.2010, 23:53 Uhr
Marvin
Danke M., der andere M. hat den Fehler gleich ausgebessert.
13.1.2010, 00:05 Uhr